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Kiitos ja näkemiin!!!

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Um Gerüchten entgegenzuwirken, möchte ich heute endlich einmal meinen Abschlusseintrag schreiben und damit diesen Blog vollenden. Ich habe von verschiedenen Seiten gehört, dass immer noch nicht ganz klar war, ob ich es eigentlich auch wieder zurück geschafft habe, oder ob ich heimlich in Finnland abgetaucht bin und mich nun Tag für Tag mit Fami-Riegeln und Riesenburgern vollstopfe. Nun also die Auflösung: Wenn ich jetzt genauer darüber nachdenke, wäre das ja auch gar nicht so verkehrt gewesen, aber ich habe mich dennoch für die Heimreise entschieden und bin seit mehreren Wochen wieder in meen juten Berlin. Diesen Abschluss-Eintrag zu verfassen hat mich nur eine Menge Überwindung gekostet, da mit ihm nun wirklich alles beendet ist. Ich dachte mir, solange ich keinen Abschlusseintrag geschrieben habe, ist die Sache ja auch noch nicht vorbei. Ui clever Anja, unschlagbar clever.

Naja, trotz aller inneren Widerstände möchte ich jetzt nun ein Resümee ziehen: Dieses Praktikum war eines der besten Sachen, die ich je gemacht habe. Im Voraus war ich mir oft nicht ganz sicher, ob ich das tatsächlich schaffe, so ganz allein, in ungewohnter Umgebung. Aber die Zweifel waren vollkommen unnötig. Ich habe mich während der ganzen Zeit pudelwohl gefühlt und wollte am Ende eigentlich noch gar nicht wieder weg von dort. Ich hatte gerade angefangen mich so richtig einzuleben. Ich glaube das Schicksal war der gleichen Meinung und hätte mich fast in Finnland behalten. Es scheint nämlich das Navigationssystem bestochen zu haben, sodass es bei meiner Abreise seltsamerweise nicht den Hafen kannte, zu dem ich unweigerlich musste, um die Fähre nach Deutschland zu erwischen. Nach etlichen pantomimischen Verrenkungen und finn-englischem Gestammel, habe ich mich dann jedoch in letzter Minute noch zum richtigen Hafen wurschteln können und stand dann dort mit nur noch einem Autohändler aus Russland an der Schranke. Der wollte mir nebenbei noch ein super Angebot für seinen klapprigen Volvo machen, aber ich war ja vorerst versorgt.

Am Ende also noch einmal mit Aufregung verbunden war die Abreise dann ein wenig leichter, da ich vor lauter Stress ganz vergessen hatte Wehmut afkommen zu lassen. Also habe ich mich dann in Deutschland auch wieder mit dem korrupten Navi versöhnt und wir haben gemeinsam den restlichen Heimweg auf der Autobahn verbracht. Und dann war der Zauber vorbei. Aber Zuhause ist es ja auch schön!

Ich kann wirklich jedem empfehlen, so eine Erfahrung zu machen. Egal wohin, egal aus welchem Grund. Aber einfach mal raus und allein was anpacken. Das macht mutig und bringt einen in jeder Hinsicht weiter. Ich hatte nun besonders viel Glück mit all den lieben Menschen, die ich in Finnland kennenlernen durfte, aber ich denke, dass man nirgends auf der Welt aufgefressen wird, wenn man mit guten Absichten kommt. Ich werde oft und gerne an diese Zeit zurückdenken und kann jetzt schon behaupten, dass ich eine Menge aus Finnland mitgebracht habe. Neben Plüschtieren, Souveniers und Schokoriegeln habe ich nämlich auch noch ein neues Stück Anja mitnehmen können. Wer sich jetzt denkt, dass ich ja jetzt wohl ein bisschen übertreibe, der sollte selbst einmal solch eine Reise machen um zu wissen, was ich meine.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen, die mir dieses Praktikum und die schöne Zeit ermöglicht haben und auch bei denen, die sich immer mal ein bisschen Zeit genommen haben, meinen Blog zu lesen, um sich meine Erlebnisse und Gedanken näher zu bringen.

Besonders danken für ihre Unterstützung möchte ich gerne:

  • Deutsche Bibliothek Helsinki (Gabriele Schrey-Vasara, Marja Immonen) - für ihr Vertrauen und die schönen gemeinsamen Arbeitstage
  • OSZ Bürowitschaft und Verwaltung (besonders Frau Zick) - für die Unterstützung während der Vorbereitung
  • Zentral- und Landesbibliothek Berlin - für die Möglichkeit, dieses Praktikum durchführen zu können
  • Mami & Papa - sowieso für alles, aber diesmal besonders für ihre finanzielle und automobile Unterstützung, ohne die das alles eh nicht möglich gewesen wäre!

 

Answer
  • Question: Liebe Anja, ein toller Blog mit unglaublich ausführlichen Berichten. Es macht Spaß Ihre zahlreichen Unternehmungen zu verfolgen, die Fotos anzuschauen und Ihre Kommentare zu lesen. Sie haben die Zeit wirklich gut genutzt und sind weit herumgekommen. Beeindruckend, was Sie schon alles gesehen haben! Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute! Herzliche Grüße von Christina Kleinschmitt - Anonym
  • Answer:

    Liebe Frau Kleinschmitt, ich freue mich natürlich immer wieder sehr über hinterlassene Grußworte! Wenn sie, wie in diesem Fall, auch noch sehr positiv ausfallen, natürlich umso mehr.

    Also bis bald, dann wieder in gewohnter Umgebung!

    Anja

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Nachdem ich in letzter Zeit ein wenig so getan habe, als wäre ich in den Weiten der finnischen Seenlandschaft verschollen, möchte ich mich heute mal wieder zu Wort melden und einen Schlag aus den verstrichenen Tagen erzählen.

Zuerst einmal ist es so, dass die letzten Tage relativ unspektakulär abliefen. Morgens trat ich den obligatorischen Weg zur Arbeitsstelle an und nachmittags bin ich ein wenig durch die Stadt gelaufen oder habe mich einfach in meiner Wohnung vor der Kälte versteckt.

In der Bibliothek muss ich mich jetzt auch langsam ganz schön ranhalten, damit meine EIGENE Publikation noch fertig wird, bevor ich mich ja bald schon wieder von der finnischen Bibliotheksbühne verabschiede. Manch einer wird sich jetzt denken, dass ich ja schon seit etlichen Berichten an diesem Ding sitze und ich anscheinend absolut nicht aus dem Quark komme. Ich dachte anfangs ehrlich gesagt auch, dass das ja nicht so lang dauern kann, aber erstens gibt es immer wieder irgendwelche Kleinigkeiten zu verändern und zweitens hat das Material, welches in dieser Dokumentation erscheinen soll, immer nur mühsam und tröpfchenweise unsere heiligen Bibliotheksräume erreicht. War es dann mal da, war es nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte und so konnte ich die Hälfte meiner Entwürfe immer direkt wieder im geistigen Sondermüll entsorgen. Aber ich wäre ja keine Anja, wenn mich das an irgendeinem Punkt zum Aufgeben gebracht hätte. Ich habe mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln gekämpft und kann nun stolz behaupten, dass die Dokumentation jetzt so gut wie druckreif ist. Dabei handelt es sich allerdings lediglich um die deutsche Version und wer sich erinnert, wo ich mich momentan befinde, der hat erstens sehr gut aufgepasst und weiß zweitens auch, welche Version da jetzt noch auf die Fertigstellung wartet. Aber auch das werde ich noch schaffen und werde hier keine unfertige Arbeit hinterlassen.

Außerdem habe ich zwischendurch auch ab und zu noch einmal an dem Cover gearbeitet, dass in diesem Jahr das Jahrbuch zücken soll. Ich habe noch einmal neue Fotos gemacht, sie ein bisschen bearbeitet und dann eine Auswahl meiner Vorschläge zusammengestellt. Nun trudelt jeden Tag eine jeweils andere Person vom Vorstand ein und begutachtet, bewertet und favorisiert die entsprechenden Entwürfe. Das ist schon eine harte Probe für meine sensible Seele, aber bisher wurde die Kritik immer sehr sachlich und fair an mich herangetragen und letztendlich konnte sich ja auch jeder für einen Favoriten entscheiden. Ja richtig, jeder für einen anderen. Geschmäcker sind eben verschieden, aber das ist jetzt nicht mehr mein Bier. Ich lasse mich einfach überraschen, welches Bild am Ende gewählt wird bzw. ob es überhaupt eines meiner Entwürfe wird.

Am Mittwoch haben wir in der Bibliothek die Leiterin der Aue-Stiftung Helsinki begrüßen dürfen, mit der wir uns dann an einen Tisch gesetzt haben, um über die anstehende Buchmesse zu reden. Die Buchmesse findet vom 27.-30.10. in Helsinki statt und wir, also die Deutsche Bibliothek und die Aue-Stiftung präsentieren sich dort gemeinsam an einem Stand (den genaueren Standort klemme ich mir jetzt mal, da ich vermute, dass niemand spontan vorbei kommen will …). Also haben wir uns gemeinsam darüber unterhalten, wie wir uns dort präsentieren können bzw. was wir den Besuchern bieten könnten. Viele Ideen, Einsprüche und Zustimmungen wirbelten im Raum herum, aber danach waren wir uns alle einig, dass wir guter Dinge sein können und uns auf die Buchmesse freuen können.

Am Donnerstag gab es dann bei uns in der Bibliothek wieder mal eine Veranstaltung. Es war ein Vortrag zum Thema „Transnationale Kulturpolitik“. Das Ganze war ein Vortrag aus österreichischer Sicht und wurde von der Aue-Stiftung veranstaltet. Nach einem regen Publikumsgespräch gab es dann für alle noch Brezeln und Wein und der Abend klang ganz gemütlich aus.

Das Wochenende verbrachte ich hauptsächlich damit, Ecken von Helsinki zu erkunden, die ich bisher noch nicht erreicht hatte und lernte dabei auch viel über den Irrsinn des Öffentlichen Nahverkehrs in Helsinki. Es ist nämlich so, dass die Busse am Wochenende meist nur alle 20 Minuten kommen, aber es ist auch noch so, dass dann alle Busse gleichzeitig kommen. Damit entsteht an der Bushaltestelle ein enormer Stau und da man in Finnland mittels Handzeichen deutlich klarmachen muss, dass man erwünscht in den Bus zu steigen, gibt es nur noch wildes Rumgefuchtel und -gerenne und am Ende gibt es immer mindestens zwei Leute, die nicht in ihrem gewünschten Bus sitzen – herrlich. Naja, ich hatte ja keinen Zeitdruck und bin daher eh meistens gelaufen. Zumal mir in den Bussen ja sowieso immer ein bisschen mulmig wird und mein Herz rast, wenn ich mit ansehe, wie leichtfertig und ruppig die Kurven hier genommen werden. Und dabei bin ich sonst auch kein Weichkeks. An mutigen Tagen setze ich mich in Berlin schon mal so in den Bus, dass ich rückwärts fahre. Jahaa …

Am Sonntag habe ich mir dann abends natürlich auch wieder den Tatort gegönnt und diesmal war es ja (sicher aus gegebenem Anlass) auch ein besonderer Tatort – eena aus meen jeliebten Berlin – und da der Zauber ja hier bald zu Ende ist, konnte ich mich so schon wieder ein wenig auf die Heimat einstimmen und erleide nicht den gefürchteten Kulturschock. Der Tatort – eine verblüffende Allzweckwaffe.

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  • Question: Hallo Reisende, wir, deine lieben Mitazubis haben uns alle sehr über diesen Schockoriegel gefreut. Wie du dir vielleicht denken kannst, hätten wir alle nun gern einen und wollten fragen, ob du nicht eine ladung mitbringen kannst. ^^ Wir würden uns alle sehr freuen. Und vielleicht könnte man das auch als kleines Highlight auf der Weihnachtsfeier anrichten. Liebe Grüße nach Finnland, deine FaMI-Truppe!!! - Anonym
  • Answer:

    Halli Hallo ihr lieben Daheimgebliebenen! Das ist natürlich Ehrensache und war schon beim Kauf des ersten Exemplares bereits mein Gedanke. Es wird jeder seine Ration Fami bekommen, dafür werde ich sorgen.

    Ich habe mich über Euer Lebenszeichen gefreut und nachdem ich die lieben Grüße nun für ein paar Tage hier in Finnland hatte, sende ich sie allerliebst wieder zurück!

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Heute habe ich bei Keks und Kaffee ein wenig das schöne Sonnenwetter von innen genossen. Das ist genauer betrachtet gar nicht so dumm, da ich mir dann weiterhin einbilden kann, dass es draußen warm wäre. Gesellschaft hatte ich dabei hauptsächlich von meinem Computerfreund und dem Blog.

Dann habe ich später noch todesmutig beschlossen, meine Pfandflaschen wegzubringen und siehe da, tatsächlich schon wieder satte 14,80€. Manche Gewohnheiten nimmt man einfach mit über die Landesgrenze. Aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass es hier auch Flaschen gibt, auf die es sogar 40 Cent Pfand gibt. Also kommt das ja ganz fix zusammen.

So und den weiteren Tag werde ich mich einfach entspannen und mich auf eine weitere spannende Woche freuen! Nicht zu vergessen natürlich der sonntags obligatorische Tatort-Livestream! Ach herrlich - dieses Internet!

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Wie man sieht, sieht man nicht viel… Aber mehr war mit meinem Handy einfach nicht drin.

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Heute hatte ich mir nach dem Aufstehen vorgenommen mal noch ein paar Stadtteile jenseits der Shoppingmeile zu erforschen und setzte mich wenig später einfach mal in die Metro. Ich stieg dann an der Station Hakaniemi aus und stand auch direkt vor der gleichnamigen alten Markthalle. Im Erdgeschoss gab es dort alle möglichen Lebensmittel, wie Fisch, Fleisch, Gewürze usw. und im Obergeschoss gab es dann den Ramsch, im Fachjargon Souvenirs genannt. Ja natürlich bin ich direkt nach oben gegangen und ward dann am Ausgang für mehrere Stunden nicht mehr gesehen… Aber irgendwann war ich dann nun doch durch und habe mir noch eine Kirche im Stadtteil Kallio angeschaut und bin danach mit der Tram in Richtung Südhafen gefahren, um mich noch mal ein wenig vom Markttrubel mitreißen zu lassen. Als ich dann wieder zu Hause war, musste ich mich auch langsam beeilen, da heute Abend mal wieder ein Konzert anstand. Das einzige nicht finnische größere Konzert das aufzutreiben war, war das von der britischen Gruppe HURTS. Ich bin jetzt zwar nicht DER Fan, aber so schlecht finde ich sie auch nicht, also entschied ich mich für das Konzert. Es fand in der Jäähalli Helsinki statt, das ist die Eishalle, in der sonst die Eishockey-Spiele ausgetragen werden. Auf meiner Karte stand 19 Uhr, also dachte ich mir dass es klug wäre, um 18 Uhr rum dort aufzutauchen und dann gemütlich reinzuspazieren. Pustekuchen – dieses 19 Uhr stand für den Einlass. Steht auf Eintrittskarten für gewöhnlich nicht auch mal irgendwo der Anfang der Veranstaltung?! Naja, so stand ich jetzt als um 18 Uhr vor dieser Halle und um mich herum unzählige pubertäre Bühnenstürmerinnen, die alle KEINE Jacke trugen, damit sie beim Türöffnen direkt zur Bühne flitzen können. Und dann geschah es – ich hatte mich bei Gedanken erwischt, die mich sehr an Worte meiner Mutter erinnerten. Und anstatt gegen diese Worte zu rebellieren und es den Mädels gleich zu tun indem ich mir die Jacke vom Leib riss, dachte ich mir – Ja, Recht hatte sie – und setzte mir erst einmal meine Mütze auf. Tja, man wird nicht jünger.. So stand ich da und stand ich da und wurde ununterbrochen von Flaschensammlern angerempelt, weil ich bspw. ungünstigerweise vor einer Dose stand. Und ich wunderte mich schon, warum diese Menschen ständig um mich herum tänzelten. Aber nein, sie wollten kein Autogramm, sie wollten nur die Dose hinter mir, im Laub. Mittlerweile wurde mir immer kälter und ich hatte zum hundertsten Mal deutlich gemacht, dass ich keine Karten mehr verkaufe und auch keine mehr brauche, da entschloss ich mich angesichts der immer noch langen Schlange, beim nächsten McDonalds einzukehren. Dort genoss ich dann erstmal einen glamourösen Cheeseburger und einen warmen Kaffee. Anfangs habe ich den Kaffee immer verschüttet, weil ich so durchgefroren war, dass ich ständig zitterte. Aber nach meinem kurzen Aufenthalt in besagtem Fast-Food-Restaurant ging es mir dann wieder besser und ich konnte mich eine weitere Stunde vor die (Eis-)Halle stellen. Irgendwann war es dann auch so weit. Die Bühnenstürmerinnen hatten ohne Rücksicht auf Verluste und Verletzte ihren Platz in der ersten Reihe gefunden und ich konnte dann mit meinen Sitzplatzkollegen ebenfalls langsam eintrudeln. Von draußen hatte ich immer super die Garderobe im Blick und diese war etwa nach der Hälfte der Einlass-Zeit bereits voll und geschlossen. Ich grinste nur schelmisch und dachte daran, dass ich ja einen Sitzplatz habe und meine Sachen da ohne Probleme mit hinnehmen kann. Aber dann war ich am Einlass und der Kontrolleur (Es wird hier übrigens nicht so ernst genommen, wer hier wen am ganzen Körper betatscht. Erstens machen das fast eh nur Männer und zweitens greifen die bei den Frauen auch genauso beherzt zu wie bei den Männern.) war der Meinung, dass ich meine Kamera nicht mit reinnehmen darf, da … wie hatte er das noch mal so schön erklärt. Achja.. „Objektii NOT!“ und hat mich dann an die Garderobe verwiesen. Scherzkeks, ich weiß doch ganz genau, dass dort alles voll ist. Der eine von der Garderobe hielt auch ein Schild hoch, auf dem irgendwas mit geschlossen stand, aber da es finnisch war, konnte ich ganz beherzt so tun, als würde ich es nicht verstehen und habe dem Mann ganz selbstverständlich meine Sachen entgegengestreckt. Dann kam der andere rübergesprungen und fuchtelte mir mit seinem Pappschild vor der Nase herum. Dann habe ich einfach mal mit den Schultern gezuckt und gegrinst. Dies schien die richtige Antwort gewesen zu sein, da der dritte dann nach hinten geflitzt ist und als er wiederkam gab er mir eine Garderobenmarke und nahm mir meine Sachen und 2 € ab. Vielleicht sollte ich mir für die Zukunft einfach einen kleinen Tick mehr Dreistigkeit aneignen. Das scheint tatsächlich zu funktionieren. Auf Nachfrage habe ich dann auch erfahren, dass das Konzert um 21 Uhr beginnt. Ja, sehr gut. Darf ich noch einmal erwähnen, dass ich seit kurz vor 18 Uhr vor Ihren Räumlichkeiten verweile… Naja, dann habe ich mich zu meinem Platz gezittert und musste feststellen, dass man durch ein Geländer nicht durchschauen kann. Also habe ich zu Beginn des Konzertes eine relativ unnatürliche aufrechte Sitzhaltung eingenommen und einen langen Hals gemacht. Das Konzert hat mir sehr gut gefallen! Ich bin jetzt nicht innerlich total ausgeflippt, aber es hat mich doch schon ein bisschen begeistert. Das war alles sehr gut gemacht und die Lieder haben mir auch gefallen. Seltsam finde ich nur, dass der Sänger meinte, dass dieses Konzert das Beste ihrer Tour wäre. Verrückt, genau das sagen die Künstler auch immer in Deutschland. Dann scheinen Deutschland und Finnland ja echt die besten Fans zu haben… Beim letzten Lied hat er dann noch die letzte Reserve zur emotionalen Kundenbindung hervorgezaubert, indem er die finnische Nationalflagge präsentierte und sich dann darin einwickelte. Na da waren die Finninnen aber stolz. Als der Zauber dann vorbei war, stand ich plötzlich ganz vorn in der Garderobenschlange und hatte in weniger als 10 Minuten die Halle verlassen. Das ist rekordverdächtig. Aber ein Bus ist trotzdem nicht mehr gefahren, also bin ich mittels einer Mischung aus Laufen und Straßenbahn fahren irgendwann zu Hause angekommen.

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Da die Kamera den Abend an der Garderobe verbringen musste, gibt es hier noch einmal ein Bild von außen…

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Heute war der zweite Termin in der Finnischen Nationalbibliothek angesagt. Aber heute gingen wir in ein Bürogebäude, welches in einem ehemaligen Fabrikgebäude lag. Dort haben wir heute weitere Informationen zu den Pflichtexemplaren erhalten und durften den Mitarbeiter beobachten, der die neuen Lieferungen sortierte. Die Bibliothek erhält nämlich von jeder Drucksache 6 Exemplare und hat dann noch die Aufgabe diese Exemplare auf die weiteren Pflichtexemplarbibliotheken in Finnland aufzuteilen. Da gibt es zum Beispiel noch eine in Jyväskyla und zwei in Turku (wobei eine davon eine schwedische Bibliothek ist) und zwei weitere. Die Frau, die uns das alles erzählt hat, hat auch immer wieder mit Nachdruck betont, dass sie stets bemüht sind, alles zu bekommen, was erscheint. Und so wie sie das gesagt hat, glaube ich ihr das aufs Wort. Ich glaube sie fühlt sich persönlich angegriffen, wenn ein kleiner Verleger versehentlich die Abgabe des Pflichtexemplars vergisst und lässt sich das Buch dann höchstpersönlich von ihm vorbeibringen, damit er sich das gefälligst merkt.
Danach wurden wir dann an eine weitere Kollegin übergeben, die uns über das neue Pflichtexemplargesetz aufgeklärt hat, welches seit 2008 gilt. Nach diesem Gesetz hat die Nationalbibliothek nun auch das Recht elektronisches Material einzufordern und zu sammeln. Darunter auch Webseiten und Datenbanken. Ich muss nur leider gestehen, dass ich die Hälfte nicht verstanden habe, da die Führung den ganzen Tag auf Englisch ablief und sich in diesem Moment schlechtes Verstehen und schlechte Aussprache zu einem unproduktiven Wirrwarr entwickelten. Aber Anja hat mitgedacht und sich einen Flyer aus der Auslage gemopst. Dort habe ich dann parallel mitgelesen und war erstaunt wie sich die Inhalte ähnelten.

Zum Schluss besuchten wir dann noch die Mitarbeiterin vom ISSN-Center, welches aber irgendwie auch ebenfalls ISBN- und ISMN-Center war. Also kurzum waren sie dort dafür verantwortlich diese Nummern zu vergeben, wenn ein Verleger zum Beispiel eine ISBN-Nummer anfordert. Dann bekamen wir noch einen kleinen Einblick in die Statistiken zu dem elektronischen Material und erfuhren, welchen Herausforderungen und Problemen sich die Bibliothek in Zukunft stellen will. Das waren hauptsächlich Angelegenheiten, die diverse Datenbanken betreffen, aber auch Probleme zum Pflichtexemplar. Und nachdem ich am Anfang erwähnte, dass ich aus einer Bibliothek komme, die ebenfalls mit dem Pflichtexemplargesetz zu tun hat, war ich ein gern gefragter (aber leider oft überfragter) Gesprächspartner. Sie hätten zu gern geheime Tipps erhalten, aber für mein Empfinden hätte ich vielleicht eher ein paar Tricks mitnehmen sollen. Dafür hätte ich aber zuerst einmal einen Durchblick in dem wahnsinnig großen Netzwerk von Datenbanken haben müssen. Also insgesamt war das alles sehr interessant, aber da wir von einer Person zur nächsten gebracht wurden und uns natürlich jeder was wichtiges zu erzählen hatte, war ich zumindest relativ schnell überfordert und versuchte irgendwann nur noch das Wichtigste rauszuhören.

Nach dem Feierabend habe ich mich dann fein in Schale geschmissen und machte mich ein weiteres Mal auf nach Lahti. Nie dagewesenes sollte geschehen. Ich besuchte ein Sinfoniekonzert im Sibeliustalo, dem Konzerthaus in Lahti. Und das meine Damen und Herren, sogar freiwillig.

Nachdem ich das Konzerthaus ja nun schon einmal von außen bestaunt hatte, wollte ich es nämlich auch einmal von innen sehen und da sich das nicht ohne einen Konzertbesuch realisieren ließ, suchte ich mir eben etwas Hübsches aus. Die Fahrt nach Lahti verlief reibungslos und typisch deutsch war ich natürlich eine Stunde vor Einlass bereits am Ort des Geschehens. Nach der ersten Besichtigung wurde mir bewusst, dass ich den Altersdurchschnitt rapide in den Keller gestürzt habe, aber das sollte zumindest mich nicht stören. Ich habe mir mein Plätzchen im Saal gesucht und war gespannt darauf, was mich erwartete. Laut meiner Karte erwarteten mich das Sinfonieorchester Lahti, ein relativ junger Dirigent namens Santtu-Matias Rouvali (26) und ein Tenor namens Michael Weinius. Und das Konzert stand unter dem Motto: „Auf den Spuren Jussi Björling’s“ (welcher wohl ein sehr bekannter schwedischer Opernsänger war).

Der Dirigent war so ein Harry-Potter-Typ in blond und kam ein wenig schüchtern auf die Bühne, aber als es dann los ging, zeigte er was er drauf hat und war unermüdlich in Bewegung. Ich möchte das jetzt hier keinesfalls zu einer Kritik ausarten lassen, da ich als absolut Unwissende erstens nicht dazu im Stande wäre und mir das zweitens auch nicht anmaßen kann. Aber ich bin der Meinung, dass das Konzert richtig gut war. Es hat mir wirklich sehr gut gefallen und ich frage mich, warum ich nicht schon früher einmal zu solch einem Konzert gegangen bin. Also an alle Konzertgänger in Berlin: Ick komm jetz och öftas! Ich muss zwar noch ein wenig üben um Etikette und Fachtermini draufzuhaben, aber das sollte ja machbar sein. Ich weiß jetzt zumindest schon mal ein bisschen, wann man klatscht und wann nicht. Was ich beim nächsten Mal allerdings besser machen muss, ist den richtigen Moment zum Aufstehen zu finden, um dann nicht eine dreiviertel Stunde an der Garderobe auf meine Jacke zu warten. Als ich dann meine Garderobe hatte, bin ich wieder zurück nach Helsinki gefahren und da es dann bereits ziemlich spät war, habe ich mich auf dem schnellsten Wege ins Bett gemacht und von den schönen Klängen der Violinen und Pauken (das hat mir gefallen!) geträumt…

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Damit man nicht den Eindruck bekommt, ich würde nur in der Weltgeschichte rumtingeln, kommt hier mal ein Beweisbild von mir bei der Arbeit in der Deutschen Bibliothek.

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Heute Morgen bin ich dann alleine aus dem Haus, da die Ausflügler heute wieder ihren Weg zum Flughafen antreten mussten. So haben wir noch gemeinsam einen Kaffee getrunken und dann folgte auch schon der Abschied. Auf mich wartete heute auch wieder etwas Besonderes. Wir haben uns heute Morgen nämlich am Hauptbahnhof getroffen und sind zur Finnischen Nationalbibliothek gegangen, wo wir auch schon erwartet wurden. Auf dem Plan standen heute die Besichtigung des Hauptgebäudes der Finnischen Nationalbibliothek, die Besichtigung der slawistischen Sammlung, jede Menge Informationen zum Pflichtexemplargesetz und Führungen durch die Weiten der Magazine. Das ganze war sehr interessant und die Bibliothek ist in einem sehr schönen Gebäude (die Pläne dazu waren von Carl Ludwig Engel - die deutschen haben aber auch wirklich überall ihre Finger im Spiel). Man sagte uns, dass dies damals, also 1840, der erst zweite Bibliotheksbau in ganz Skandinavien war. Als wir in die Magazine geführt wurden, wurde es plötzlich ganz kalt und die Luft wurde komisch. Das waren nach weiterer Überlegung natürlich super Bedingungen für die Bestandserhaltung, aber ich hatte in Deutschland bisher noch nicht erlebt, dass dies so streng eingehalten wird. Es gab eine feste Temperatur und einen bestimmten Gehalt an Sauerstoff in der Luft. Also der Magazindienst dort ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Zum Schluss wollte die eine Dame noch mal auftrumpfen und hat uns in einen Raum mit einer ganz besonders wichtigen Sammlung gebracht (also das war die Sammlung von irgendeinem Historiker) und mir ist vor lauter Aufregung direkt erstmal eine Niete von der Hose geplatzt und quer durch den Raum geflogen. Ich musste mich ziemlich zusammenreißen angesichts dieser Vorstellung nicht loszuprusten. Aber es hat niemand mitbekommen und so residiert meine Hosenniete nun ebenfalls in diesem ehrwürdigen Raum. Hah, ich habe es geschafft. Ich habe die Finnische Nationalbibliothek verändert.

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Ein Bild von der Lesung im gemütlichen Kreis

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Heute musste ich erst wieder um 15 Uhr in der Bibliothek sein, da eine weitere Veranstaltung anstand. Das hat natürlich super gepasst, da ich dann noch etwas mit meiner Familie unternehmen konnte, bevor ich zur Arbeit musste. Wir haben uns dann entgegen aller Widerstände aus der männlichen Ecke für das größte Shopping-Center von Helsinki, dem Itäkeskus, entschieden. Ich hatte mich nämlich zwei Tage zuvor in ein Paar Schuhe verliebt, die es aber leider nur in Damengrößen gibt. Die Welt ist so furchtbar, gar grauenhaft. Gerade bei Schuhen muss ich so ein Pech gehabt haben. Ich hätte doch nur einmal weniger „Hier!“ schreien müssen, als der liebe Schöpfer die Riesenfüße verteilte. Aber nein, ich konnte mal wieder nicht genug haben. Ja, und nun habe ich den Salat. Zurück also zu DEN Schuhen. Ich war also Hin und Weg und eine passende Größe war nicht da. Deswegen wollte ich an diesem Tag auch einmal nach anderen Modellen Ausschau halten, aber das war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Wenn ich doch DIESEN Schuh will, dann kann mir jetzt hier nicht plötzlich ein anderer gefallen. Das wäre ja Verrat.. Naja, vielleicht werde ich es irgendwann verkraftet haben und kann mich dann auf ein neues Modell einlassen. Dann sind wir mit der Metro zurück in Richtung Zentrum gefahren und haben uns bei dem Hesburger direkt neben der Deutschen Bibliothek noch die eine oder andere Köstlichkeit schmecken lassen. Dann verabschiedete ich die Touristengruppe und machte mich an die Arbeit. Aber die Trennung sollte nicht lange währen, da sie mich 3 Stunden später schon wieder in der Bibliothek besuchten, um sich die anstehende Lesung anzuschauen(-hören). Auf dem Plan stand – „Thomas Brunnsteiner liest aus seinem Roman Taten“. Diese Lesung wurde wieder einmal musikalisch untermalt und zwar diesmal von einem Keyboard. Also von einem Mann, der an einem Keyboard Melodien spielte. Wir, die Praktikantinnen hatten wieder die Aufgabe, für das leibliche Wohl der Gäste zu sorgen und so sorgten wir immer für Nachschub in Sachen Knabbereien und Wein. Dann hat Gabi meinen Eltern noch erzählt, dass ich hier immer ganz fleißig abwasche (na so was, als hätte ich so vorher darum gebeten…) und durfte dies dann abschließend auch noch einmal unter Beweis stellen. Dabei wurde ich aber tatkräftig von meiner Familie unterstützt und so konnten wir dann auch bald gemeinsam den Heimweg antreten.

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Oben: Die liebe Familie (der rechts gehört auch dazu, ist aber momentan in einem schwierigen Alter)

Mitte links: Die Kirche von Suomenlinna

Mitte rechts: Ein deutsches U-Boot. Die Finnen hatten damals viele deutsche U-Boote gekauft, mussten sie aber unter russischer Herrschaft verschrotten. Dies ist das einzige, welches diese Aktion überleben konnte.

Unten: Ein Teil der Festung